Die Gemeinschaft - Geschichten
UNSERE 16 MONATE MIT RENA (MARGARITA)
heute ist es für uns unvorstellbar, daß Rena nicht da wäre

Hallo Ihr Lieben,
vor ziemlich genau einem Jahr hat Euch Rena aus ihrer Sicht ihr neues Leben geschildert. Heute will ich Euch aus Sicht des Herrchens die Geschichte weitererzählen.
Über ein Jahr zuvor haben meine Frau und ich lange und gründlich überlegt, ob wir uns wieder einen Hund anschaffen und wenn ja, welchen. Unsere Herzen hatten sich längst pro Hund festgelegt und unser Verstand suchte Gründe, die dagegensprechen. Schließlich hatten wir in 14 Jahre mit Mandy alle Höhen und Tiefen, alle Freuden und alles Leid erlebt, die eine Hund-Mensch- Beziehung halt so mit sich bringt.
Uns war schnell klar, daß wir diesmal ein Tier aus dem Tierheim zu uns nehmen würden. Meine Frau durchforstete das Internet und eines Abends kam der Jubelschrei: DIE ist es !!!
Liebe kann man nicht beschreiben, Liebe ist. Ab diesem Zeitpunkt war uns klar, das ist „unser“ Hund.
Wir haben uns um Margarita (so hieß sie damals in Spanien) beworben und hatten Angst, daß noch irgend etwas dazwischen kommen könnte. Zum Glück ging mit der Adoption alles problemlos und schnell über die Bühne.
In der Zwischenzeit suchten wir ihren neuen Namen, besorgten Bettchen, Decken, Leinen, Spielzeug und was sonst so alles dazugehört bis hin zur Versicherung.
Am 2. September 2006 war dann der „große Tag“. Wir konnten endlich unsere Rena abholen. Die erste Begegnung war ziemlich ernüchternd. Unsere Rena erwiderte unsere Gefühle in keinster Weise, sie war kühl und vorsichtig. Sie war eben ein Hund, der die längste Zeit ihres bis dahin kurzen Lebens auf sich alleine gestellt war, hatte wohl mit anderen Hunden nur gute Erfahrungen und vor ihrer Aufnahme im Tierheim leider auch einige schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht.
Die erste Zeit war einerseits geprägt mit vorsichtigem Abtasten, mit Distanz zu Menschen und andererseits unendlicher Freude, wenn Rena beim Gassigehen oder auf dem Hundeplatz mit anderen Hunden zusammentraf. Da lebte sie auf, war munter und glücklich.
An dieser Stelle darf ich jedem sagen, der sich überlegt, einen Hund aus einem Tierheim zu sich zu nehmen, daß wir die überwiegende Erfahrung gemacht haben, daß solche Hunde im Umgang mit anderen Hunden wesentlich besser sozialisiert sind als die meisten Tiere aus heimischer Zucht. Diese Hunde kennen die Spielregeln einer Meute, können miteinander spielen und die Rangordnung problemlos finden. Ich hatte nie Angst, daß Rena von einem anderen Hund verletzt werden könnte und auch nicht umgekehrt. Sie erkennt aus der Entfernung, mit welchem Hund sie spielen kann und mit welchem weniger gut auszukommen ist. Sie geht auf andere Hunde freundlich und artgerecht zu oder macht eben einen großen Bogen. Dabei ist es völlig unwichtig wie groß oder klein der andere ist. Ihre größten Freunde sind Beagle, Terrier, Schäferhunde und vor allem Mischlinge.
Doch zurück zur Beziehung Hund-Mensch: Rena machte schnell Fortschritte, lernte ihre Geschäfte draußen zu machen, fraß immer besser und verlor ein wenig von ihrer Melancholie im Haus und begann zaghaft mit uns zu spielen. Trotzdem sprach meine Frau nach ca. 2 Wochen aus, was auch in mir bohrte. Wäre es für Rena nicht besser, wenn sie als Zweit- oder Dritthund in eine Meute käme? Sind wir die richtigen Menschen für sie?
Zum Glück entschlossen wir uns zu noch mehr Geduld und zum Kämpfen um unseren Hund. Und das Wunder geschah. In der Hundeschule und im Training zu Hause lernte sie wundersam schnell und problemlos die Grundbegriffe und faßte mehr und mehr Vertrauen zu uns. Sie begann mit uns zu spielen und ihre Rechte zu fordern. Innerhalb weniger Wochen war sie im Haus und im eigenen Garten unser Hund und akzeptierte uns als ihre Meute und uns als Leittiere. Einerseits forderte sie ihre Spielstunde, ihren Platz zwischen uns auf der Couch, ihre Fressen und andererseits akzeptierte sie ihren Platz im Körbchen neben dem Tisch wenn wir essen ebenso wie ihr Bettchen neben unserem Bett.
Kurzum wir hatten uns endlich gefunden. Die glückliche Zeit begann und heute ist es für uns unvorstellbar, daß Rena nicht da wäre.
Und umgekehrt scheint es auch so zu sein. Was am Anfang einfach nicht war, sie beschwert sich, wenn einer ihrer Menschen es wagt, ohne sie das Haus zu verlassen; sie begrüßt uns überschwenglich, wenn wir wiederkommen. Das alles völlig unabhängig davon, ob ihre anderen Menschen im Haus sind oder ob sie für eine kurze Zeit mal alleine bleiben mußte.
Wir erlebten zusammen einen harten, schneereichen Winter, das Frühjahr und endlich wieder Sommer, den unsere Kleine so unsäglich liebt.
Was noch fehlte war der letzte Schritt in die Freiheit: Tür aufmachen ohne Angst, daß Rena selbständig durch die Umgebung mit all ihren Gefahren streift, Spaziergänge durch den Park und am See ohne die blöde Leine (auch wenn sie 20oder gar 40 Meter lang war). Daran war lange Zeit nicht zu denken. Wir haben langsam angefangen, zunächst auf der eingezäumten Hundewiese. Abrufen und mit Leckerlis belohnen, abrufen unter Ablenkung und endlich nach unendlich vielen Wiederholungen sogar abrufen bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen, dem Ausbuddeln von Mäusenestern. Endlich im Sommer klappte das wunderbar.
Aber draußen außerhalb des Zaunes war noch alles anders. Hier startete sie sofort durch und spielte ihre ungeheuere Geschwindigkeit aus. Blitzartig hatte sie einen Riesenabstand zwischen sich und uns gelegt. Es war aber nicht so, daß sie in uns verlassen wollte. Ganz im Gegenteil kam sie ebenso schnell wieder zurück, schaute kurz vorbei und war glücklich, daß ihre Meute noch da war, leider begann das Spiel dann sofort wieder von vorne. So ging es nicht, schließlich lauern überall Gefahren, mit denen sie nicht bekannt war und die sie somit auch nicht erkannte.
Allmählich machten wir uns mit dem Gedanken vertraut, daß unser Liebling wohl niemals frei laufen dürfte und wir waren traurig und verzweifelt.
Aber dann kam der Urlaub im Herbst. Wir fuhren nach Kärnten an einen kleinen See mit einer großen Halbinsel. Dort nahm ich nochmals allen Mut zusammen und ließ sie von der Leine. Und was für ein Wunder, in der fremden Umbebung blieb sie in der Nähe, blieb stehen, wenn ich pfiff und kam wenn zunächst auch nur zögernd zurück, wenn ich sie rief. Voller Glück übten wir dieses wieder und wieder, wagten uns auch auf anders Gelände und sogar auf die Seepromenade – und es funktionierte. Rena war endlich ein freier Hund und unser Glück vollkommen.
Endlich konnten wir Wandern gehen ohne Leine, endlich konnte Rena umherspringen wie sie wollte, weil sie sofort zurückkam, wenn wir riefen. Dies nutzen wir auch gründlich aus und danach waren wir müde aber glücklich.
... aber nicht lange, denn wir waren ja – zumindest nach Renas Meinung – auf Aktivurlaub und nicht zum Faulenzen soweit gefahren.
Der nächst Schritt war dann als wir wieder Zuhause in gewohnter Umgebung waren. Aber – oh Wunder – Rena übertrug das Gelernte problemlos. Nach über 12 Monaten waren wir endlich am Ziel:
Rena war frei und wir alle zusammen glücklich.
Heute haben wir im Haus einen unendlich lieben Schmusehund, Auswärts einen braven Begleiter und draußen einen wilden Raser und eifriger Fährtensucher, der aber jederzeit abrufbar ist... Herz was willst Du mehr !
Deshalb möchten wir es unserem Schatz gleichtun und zum Schluss allem Menschen danken, die uns diesen Hund als Geschenk gegeben haben. Ich wünsche Euch die Kraft, dass Ihr noch vielen Ihrer Art retten und viele Tiere und Menschen damit glücklich macht.

Eure Rena (Margarita) mit Herrchen und Frauchen

München, im Januar 2008